Hydroponik | Pflanzen ohne gewachsenen Boden kultivieren
Hydroponik ist Pflanzenanbau ohne gewachsenen Boden, bei dem die Nährstoffversorgung über eine wässrige Lösung erfolgt. Die Wurzeln können dabei in Wasser oder in einem tragenden Substrat liegen. Ohne Erde bedeutet weder ohne Dünger noch automatisch ohne Technik. Licht, Temperatur und die Sauerstoffversorgung der Wurzeln bleiben entscheidend.
Unterschiedliche Wege zur Wurzelversorgung
| System | Funktionsprinzip |
|---|---|
| Dochtsystem | Dochte transportieren Nährlösung aus einem Vorrat zum Substrat; ohne Umwälzpumpe möglich. |
| Passives Wasserreservoir | Ein Teil der Wurzeln erreicht die Lösung, ein anderer erhält über einen vorgesehenen Luftraum Sauerstoff. |
| Belüftete Tiefwasserkultur | Wurzeln stehen in Nährlösung; eine Belüftung verbessert die Sauerstoffversorgung. |
| Nährfilmtechnik, NFT | Eine dünne, gepumpte Nährlösung fließt durch Pflanzkanäle und wird zurückgeführt. |
| Ebbe und Flut | Ein Substratbereich wird zeitweise geflutet und anschließend wieder entleert. |
Die Systeme haben unterschiedliche Anforderungen. Bei einem passiven Aufbau darf ein benötigter Luftraum nicht durch beliebiges Auffüllen verschwinden. Bei gepumpten Systemen muss dagegen die Versorgung bei Pumpenausfall berücksichtigt werden.
Nährlösung und Messwerte
Eine geeignete Nährlösung enthält auf die Kultur abgestimmte Haupt- und Spurennährstoffe. Fertige Komponenten werden nach Anleitung in Wasser gegeben; konzentrierte Mehrkomponentenprodukte werden nicht unverdünnt miteinander vermischt.
Der pH-Wert beeinflusst die Nährstoffverfügbarkeit. Die elektrische Leitfähigkeit, EC, zeigt die Gesamtbelastung mit leitfähigen gelösten Stoffen an, aber nicht die Konzentration jedes einzelnen Nährstoffs. Ein passender EC-Wert beweist deshalb keine ausgewogene Zusammensetzung. Messgeräte benötigen Kalibrierung, und die Ausgangswasserqualität muss berücksichtigt werden.
Licht, Hygiene und Betrieb
Ein sonniger Standort oder geeignete Pflanzenbeleuchtung liefert die benötigte Lichtmenge. Ein beliebiger heller Raum reicht nicht für jede Kultur und Jahreszeit. Verwendete Behälter und Substrate müssen zum Anbau passen; wiederverwendete Teile werden vor einer neuen Kultur gereinigt und erforderlichenfalls nach einem geeigneten Verfahren desinfiziert.
In einer laufenden Anlage werden Wasserstand, Durchfluss, Wurzeln und Pflanzenzustand kontrolliert. Ein verstopfter Schlauch lässt sich nicht durch zusätzliche Düngergabe beheben. Auch eine frei angesetzte Kompostbrühe ist kein gleichwertiger Ersatz für eine kontrollierte Nährstoffversorgung.
Was das für Selbstversorgung bedeutet
Blattgemüse und Kräuter können eine sinnvolle Ergänzung der Ernährung liefern. Eine kleine Salatanlage ist jedoch keine vollständige Versorgung mit Energie, Eiweiß und Fett. Für eine belastbare Planung werden tatsächliche Erntemengen, Kulturzeiten und Ausfälle über mehrere Durchgänge dokumentiert.
Ebenso gehören Strom für Licht und Pumpen, Wasser, Dünger, Saatgut, Ersatzteile und Arbeitszeit in die Bilanz. Kreislaufführung kann Wasser sparen, beseitigt aber weder Verdunstung noch den Wasserverbrauch der Pflanzen. Eine pauschale Einsparquote oder garantierte Ernte lässt sich aus dem Begriff Hydroponik nicht ableiten.
