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KISS | Unnötige Komplexität verringern, Anforderungen erhalten

KISS ist ein Gestaltungsprinzip, das einfache, verständliche Lösungen bevorzugt. Für die Buchstaben sind mehrere Formulierungen gebräuchlich, darunter Keep It Simple, Stupid und Keep It Simple and Straightforward. In der Vorsorge lässt sich der Gedanke so anwenden: Ein Ablauf soll sich mit den vorhandenen Fähigkeiten und Mitteln zuverlässig ausführen lassen.

Schlichtes Survival-Set mit wenigen robusten Gegenständen
Ausrüstung nach dem KISS-Prinzip

Einfachheit beginnt bei der Aufgabe

Vor der Geräteauswahl wird die benötigte Funktion beschrieben. Soll eine Lampe einen Weg beleuchten oder einen Raum? Muss eine Information nur gelesen oder auch weitergegeben werden? Je klarer die Aufgabe ist, desto leichter lassen sich unnötige Funktionen und fehlende Eigenschaften erkennen.

Einfach bedeutet dabei nicht automatisch möglichst klein, billig oder ohne Elektronik. Eine klar bedienbare elektrische Lampe kann für eine bestimmte Aufgabe weniger Aufwand verursachen als ein vermeintlich einfaches System, das laufend Brennstoff, Aufsicht und Reinigung benötigt.

Bedienung und Abhängigkeiten getrennt prüfen

Ein Gerät kann außen nur einen Knopf haben und trotzdem von Ladegerät, Spezialakku, App oder Netzwerk abhängen. Umgekehrt kann eine technisch komplexe Lösung eine wichtige Aufgabe für den Nutzer deutlich vereinfachen. Deshalb werden zwei Fragen getrennt gestellt: Wie wird sie bedient, und was benötigt sie zum Funktionieren?

Ein gemeinsamer Akkutyp kann die Versorgung übersichtlicher machen. Er erzeugt aber möglicherweise auch eine gemeinsame Abhängigkeit. Für wichtige Funktionen kann ein unabhängiger Ersatz sinnvoll bleiben, obwohl er ein zusätzliches Teil bedeutet.

Beispiele für übersichtliche Lösungen

  • Vorräte: Klar beschriften und eine nachvollziehbare Verbrauchsreihenfolge festlegen, statt den Bestand nur aus dem Gedächtnis zu verwalten.
  • Kommunikation: Wenige verständliche Kontaktwege und Treffpunkte vereinbaren, einschließlich einer Regel für fehlende Erreichbarkeit.
  • Ausrüstung: Passende Kabel gemeinsam lagern und ihre Zuordnung markieren.
  • Handgriffe: Wiederkehrende Tätigkeiten mit der tatsächlich mitgeführten Ausstattung üben.

Diese Beispiele verringern Such- und Entscheidungsaufwand. Sie ersetzen keine fachlichen Mindestanforderungen. Ein Wasseraufbereitungsverfahren muss weiterhin für die vorhandene Verunreinigung geeignet sein, auch wenn eine einfachere Methode bequemer wäre.

Mehrzweckgeräte haben Grenzen

Ein Gegenstand mit mehreren Funktionen kann Gewicht sparen. Fällt er aus oder wird er für eine Aufgabe gebraucht, können andere Funktionen gleichzeitig fehlen. Ein einziges Telefon für Licht, Karte, Kontakte und Nachschlagewerk ist dafür ein leicht nachvollziehbares Beispiel.

Bei der Auswahl zählt außerdem die Ausführung der Hauptaufgabe. Ein Mehrzweckwerkzeug, das schlecht greift oder schwer zu bedienen ist, wird durch seine Funktionsliste nicht automatisch zweckmäßig.

Einfachheit überprüfen

Eine kurze Probe beantwortet mehr als ein Etikett: Kann eine andere vorgesehene Person den Ablauf nachvollziehen? Ist das benötigte Material erreichbar? Funktioniert die Lösung mit Handschuhen, bei wenig Licht oder ohne Internet, sofern diese Bedingungen zu erwarten sind?

Unklare Schritte werden verbessert, überflüssige entfernt. Nötige Schutzmaßnahmen und Kontrollen bleiben erhalten. KISS ist damit eine Hilfe bei der Gestaltung, kein Beweis, dass eine Lösung unter allen Bedingungen funktioniert.