Missweisung | Richtungen zwischen Karte und Kompass übertragen
Missweisung ist ein anderer Ausdruck für die magnetische Deklination: den Winkel zwischen geografisch Nord und der örtlichen magnetischen Nordrichtung. Sie ist orts- und zeitabhängig. Beim Übertragen einer Richtung von der Karte auf einen Kompass muss feststehen, auf welche Nordrichtung sich der Winkel bezieht.
Mit der Bezugsrichtung beginnen
Ein Winkel von 90 Grad bedeutet eine Vierteldrehung im Uhrzeigersinn ab der verwendeten Nordrichtung. Geografische, magnetische und am Kartengitter gemessene 90 Grad können daher unterschiedliche Linien beschreiben. Die Zahl allein reicht für eine eindeutige Richtungsangabe nicht aus.
Am Kartenrand stehen häufig Hinweise zu geografisch Nord, Gitternord und magnetisch Nord. Gitternord folgt den senkrechten Gitterlinien. Seine Abweichung von geografisch Nord heißt Meridiankonvergenz. Wer einen Winkel am Gitter abnimmt, benötigt die passende Beziehung zwischen Gitter und Magnetrichtung.
Ost und West eindeutig rechnen
Für die folgende Umrechnung wird eine östliche Missweisung positiv und eine westliche negativ eingesetzt. Alle Richtungswinkel beginnen im Norden und laufen im Uhrzeigersinn:
Magnetische Richtung = geografische Richtung − Missweisung.
Geografische Richtung = magnetische Richtung + Missweisung.
| Geografisches Ziel | Missweisung | Unkorrigierter Kompass |
|---|---|---|
| 90° | 5° Ost, also +5° | 85° |
| 90° | 5° West, also −5° | 95° |
| 0° | 5° Ost, also +5° | 355° |
Die Beispiele sind Rechenwerte und keine aktuelle Missweisung für einen bestimmten Ort. Beim letzten Beispiel wird −5 Grad durch Addition von 360 Grad in den üblichen Anzeigebereich gebracht. Eine Faustregel wie „Ost immer addieren“ ist ohne Angabe der Umrechnungsrichtung unvollständig.
Eine Korrektur nur einmal anwenden
Ein Kompass mit verstellbarer Deklinationskorrektur kann die Abweichung bereits in seiner Einstellung berücksichtigen. Dann wird dieselbe Korrektur nicht zusätzlich zur Ablesung gerechnet. Bei einer festen Hilfsskala erfolgt die Berücksichtigung dagegen beim Ablesen beziehungsweise Ausrichten. Die Bedienung richtet sich nach dem jeweiligen Modell.
Auch ein Navigationsgerät kann Richtungen geografisch, magnetisch oder nach einem Gitter anzeigen. Vor dem Übertragen eines Wertes auf ein anderes Gerät werden die Einstellungen verglichen.
Missweisung von Störungen unterscheiden
Die Kompassnadel richtet sich nach dem Magnetfeld an ihrem Standort. Sie ist keine direkte Peillinie zum magnetischen Pol. Ein Magnetverschluss, ein Fahrzeug oder eine Leitung in der Nähe kann ihre Anzeige zusätzlich verändern. Eine eingestellte Missweisung gleicht solche Einflüsse nicht aus.
Für eine verlässliche Messung Abstand zu möglichen Störquellen herstellen und die Richtung mit Karte und erkennbaren Geländemerkmalen vergleichen. Nach einem deutlichen Ortswechsel wird außerdem geprüft, ob der verwendete Missweisungswert noch passt. Der zugehörige Deklinationsrechner hilft, Ort und Datum ausdrücklich zu berücksichtigen.
